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14.12.2007: Vortrag im Rahmen des Kolloquiums “Theatralität, Intermedialität, Erweiterter Raum”, FH Dortmund

Titel des Vortrags:

“Osmosen zwischen Produzenten und Konsumenten von Kunst
im erweiterten Raum“

Veranstaltung: Theatralität, Intermedialität, Erweiterter Raum. Künstlerisch Wissenschaftliches Kolloquium zur Thorie der Szenografie. Vom 13. bis 15. Dezember in Dortmund am Fachbereich Design der Fachhochschule.

Zum Kolloquium:

Der in den romanischen Ländern eher geläufige Ausdruck “Szenografie” hat sich in letzter Zeit auch im deutschen Sprachraum mehr und mehr durchsetzen können. Kennzeichen der damit gemeinten grenzüberschreitenden Gestaltungs- und Designpraxis ist die Bedeutung, die dabei der Inszenierung zuerkannt wird. Nicht mehr nur sind die Tätigkeiten von Bühnenbildnern, Theaterarchitekten, Production- oder Setdesignern, bestenfalls Ausstellungsmachern gemeint, wenn man von Szenografie spricht. Nein, Ausstellungsmacher inszenieren heutzutage Musiktheater, Choreographen Sportevents, Kommunikationsdesigner Expo-Pavillons, Bühnendramaturgen den Christopher Street Day. Wahlweise und ohne feste Zuschreibung. Wo sich klassischerweise ein ganzer Strauss eigenständiger Professionen darbot, sehen wir heute ein praktisches Zusammenwachsen der szenografischen Künste, Künste allesamt der temporären Raumgestaltung. Disziplinen überschreitend sind aber nicht nur die Ambitionen der Künstler und Designer , die sich um die Gemeinsamkeiten inszenatorischer Praktiken kümmern. Gewohnte Disziplinen überschreiten sehen wir auch die Wissenschaften, die sich, mit einigem Verzug, doch zunehmend gegen Ende des letzten Jahrhunderts, wenn nicht mit der Szenografie, die vordergründig zu sehr mit der Anwendung von Kunst und Design zu tun hat, so doch mit der Figur der Inszenierung auseinandersetzt. Nicht nur Soziologen der und Kulturwissenschaftler diskutieren jetzt gemeinsam die Reichweite des Inszenierungsbegriffs, sondern auch Theater-, Film- und Kunstwissenschaftler, Literatur-, Musikwissenschaftler, Medienwissenschaftler und Philosophen. Schließlich stößt die Designwissenschaft dazu. Der Blick der Wissenschaften auf die Bühnen der Inszenierung sollte man also nicht unbedingt als unmittelbare Antwort auf die künstlerische und Designpraxis werten. Eher darf man hier wie dort, in der neuen szenografischen Praxis wie der neuen szenologischen Reflexion, zwei Varianten der Reaktion auf die rasante Formierung neuartiger technischer und technologischer Dispositive im Umkreis der audiovisuellen, besonders der Neuen Medien vermuten.

Mit der Tagung vom 13. bis 15. Dezember realisieren wir, dass die Diskussion die Designpraxis, die sich selbst mehr und mehr szenografisch organisiert, nicht auslassen kann. Es wird Zeit, mit konzeptuellen Absichten kritisch zu hinterfragen, was in der gestalterischen Praxis schon Alltag geworden ist.

Interessen und Beiträge der Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland sind ?breit aufgestellt?. Die unterschiedlichsten Praktiken künstlerisch gestalterischer und medialer Inszenierung von Räumen und Botschaften, Aktionen und Interaktionen sind ebenso Thema wie der Reflex auf unterschiedliche wissenschaftliche und wissenschaftstheoretische Herkünfte, auf Inszenierungen des Wissens. Schließlich wird der unmittelbare Anwendungskontext nicht ausgelassen: die Hochschulausbildung “Szenografie” – sei es das Doktoratsprogramm Zürich – Wien, sei das Masterprogramm der Dortmunder Designer.

Vorträge u.a.: Die Geburt der Szene aus dem Geist der Musik – Der Raum, der dich bewohnt. Zu existentiellen Klang- u. Bildräumen -Theaterereignis und Raumgefühl – Der Gegen-Raum/Heterotopie und der virtuell-mobile Raum. Zu Michel Foucault und den die ‘Répons’ und “Dialogue de l’ombre double von Pierre Boulez – Der öffentliche Raum als theatraler Raum – Szenologische Performativität. – Optik und Ontologie beim Versteckspiel der Kinder – Inszenierung von Vertrauen. Zur Theatralität des Geldes – Osmosen zwischen Produzenten und Konsumenten von Kunst im erweiterten Raum – Ereignis und Raum. Szenologische Dimensionen praktischen Wissens – Szenografie. Obszenografie. Über die Gratwanderung der Künste – Space and Nature in the Design of Hassan Fathy – Ray u. Charles Eames über Raum- und Inszenierung – Die Ekstase der Theorie. Theoretische Konstruktion und gestalterische Entscheidung.

Programm (PDF)


Tagungsort:
Aula, Fachbereich Design,
Raum 135, 1. Stock,
am Max Ophüls Platz 2,
44137 Dortmund

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Prof. Dr. Michael Wetzel