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Biografie

michael_wetzel.jpgMichael Wetzel wurde 1952 in Berlin geboren, wo er zwischen Kriegsruinen und Schildern mit der Aufschrift “Attention, you are leaving the american sector” aufwuchs. Nach dem Umzug der Eltern ins Ruhrgebiet machte er 1971 das Abitur in Herne und nahm danach das Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft, Linguistik und Erziehungswissenschaft an den Universitäten Bochum und Düsseldorf auf. 1980 erfolgte die Promotion zum Dr. phil. an der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf mit einer Arbeit über “Autonomie und Authentizität. Untersuchungen zur Konstitution und Konfiguration neuzeitlicher Subjektivität”, die sich mit Kant, Fichte und der frühromantischen Ästhetik von Novalis, Friedrich Schlegel und Schelling beschäftigte.

Schon damals stand aber der Interpretationsansatz ganz im Zeichen der Psychoanalyse nicht nur Freuds, sondern vor allem der Reformulierung durch Lacan, Deleuze/Guttari, Lyotard und Derrida. Nach dem Studium kam eine Epoche der Lehrtätigkeit als Fremdsprachendozent (u. a. am Deutsch-Japanischen Förderverein) und als Dozent für Literatur und Philosophie an der VHS und der ASG in Düsseldorf. 1986-87 war Michael Wetzel “Assistant Universitaire” am Germanistischen Institut der Université de Savoie in Chambéry, bevor er nach Deutschland zurückkehrte und von 1987-90 als Koordinator des DFG-Forschungsprojektes “Metadisziplinäre Literaturanalyse: Literatur und Medien” am WZ II für Kulturforschung der Universität/Gesamthochschule Kassel unter der Leitung von Ulrich Sonnemannn arbeitete, ein überregionales Forschungsprojekt, an dem u. a. Friedrich Kittler, Norbert Bolz, Jochen Hörisch, Charles Grivel und Christoph Tholen mitarbeiteten.

Gleichzeitig begann eine rege Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten des In- und Auslandes u. a. in Mannheim, Essen, Innsbruck, Wien und Paris, wo er von 1992-98 als “Directeur de Programme” am Collège International de Philosophie in Paris mit einem Projekt über “Langues et nations” nominiert wurde. Von 1993-95 folgte ein Habilitations-Stipendium der DFG, das 1996 mit der Habilitation am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität/Gesamthochschule Essen mit einer Arbeit über “Kindsbräute: Motive und Medien einer Männerphantasie” abgeschlossen wurde.

Im Wintersemester 1996/97 bekleidete Michael Wetzel auf Einladung von Catherine David die s. g. “documenta-Verfügungsprofessor” am Fachbereich Kunst der Universität/Gesamthochschule Kassel; danach war er Privatdozent am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität/Gesamthochschule Essen und arbeitete als freier Autor für den Deutschlandfunk und verschiedene Zeitungen (u.a. FAZ, DIE ZEIT, Freitag) sowie als Übersetzer vor allem mehrerer Bücher von Jacques Derrida, mit dem ihn eine Freundschaft seit Mitte der 80er Jahre verband und zu dessen 60. Geburtstag er 1990 in Royaumont zusammen mit Jean-Michel Rabaté ein Kolloquium zum Thema “L’éthique du don” organisiert hatte. Von 1989-92 war er zugleich für eine Kooperation des Kasseler Projektes und einer Forschergruppe am Collège Internationale de Philosophie in Paris unter der Leitung von Derrida und Paul Virilio verantwortlich.

2002 erfolgte der Ruf als Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft/Filmwissenschaft an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Von 2005 bis 2008 war Michael Wetzel zugleich Leiter des Forschungsprojektes “Von der Intermedialität zur Inframedialität” im Rahmen des SFB “Medien und kulturelle Kommunikation” der Universitäten Aachen, Bonn, Bochum und Köln, ein Forschungsprojekt, bei dem es um den ästhetischen Ansatz von Marcel Duchamp bzw. dessen Prägung durch die Zeittheorie Henri Bergsons geht. Ausgehend von einem Modell infra- oder hauch-dünner Differenzierungen und Verschiebungen wurde eine Theorie von Medien als Generatoren von Möglichkeiten entwickelt.

Andere Forschungsschwerpunkte der Arbeit von Michael Wetzel sind “Literatur und Literaturverfilmung”, die “Intermedialität des Erzählens”, das Verhältnis von “Ton – Bild – Text” als Gegenstände einer vergleichenden Medienwissenschaft; “Mediale Übersetzungsleistungen” und die Frage einer “Inframedialität”; “Dekonstruktivistische Medienanalyse”; “Geschichte des Autor- und Künstlerbegriffs” sowie unterschiedliche Konzepte und Praktiken künstlerischer Kreativität im Zeitalter der Netz- und Hybridmedien (spez.: Autorschaft in Hypermedien); “Männerphantasien” und “Gender”-Konzepte in literarischen und audiovisuellen Medien sowie “Dekonstruktivismus und die Ethik der Gabe”. Gegenwärtig beschäftigt sich Michael Wetzel mit Kulturen der Transparenz im Rahmen seines Projektes über “Welten aus Glas”, das den unterschiedlichen Erscheinungsweisen dieses Materials als Medium, Baustoff oder Kunstwerk gewidmet ist.