buy hypertropin
 

Jacques Derrida: Die Einsprachigkeit des Anderen

aus dem Französischen v. M. Wetzel
München: Fink Verlag 2003,
154 Seiten, kart., EUR 20.90.-
ISBN: 978-3-7705-3555-2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwischen diesen beiden widersprüchlichen und dennoch gleichermaßen geltenden Aussagen eröffnet sich für Jacques Derrida gerade das kulturelle Feld, das durch die Aufgabe der Übersetzung bestimmt ist: Eine Übersetzung nicht nur zwischen Sprachen, sondern auch zwischen Kulturen, Nationen, politischen Identitäten. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen als Angehöriger der franco-maghrebinischen Minderheit Algeriens stellt Derrida in aller Radikalität die Frage nach der s. g. muttersprachlichen Identität, die in den Debatten um Mono- und Multikulturalismus, um Nationalität und Staatsbürgerschaft wieder an Brisanz gewinnt. Für ihn gibt es aber kein natürliches Eigentum an der Sprache, sondern nur die Gewalt der Aneignung: auch der eigenen Sprache wie eine Fremdsprache.

Die Einsprachigkeit ist durch das Monopol und die Hegemonie einer Kultur verfügt, und doch ist sie als die Sprache des Anderen immer eine absolute Übersetzung ohne Ursprungssprache. Gegen die Gefahr einer monolithischen Herrensprache optiiert Derrida für die Chance, die Unentscheidbarkeit und die Gastlichkeit einer Sprache, die sich in ihrer monologischen Struktur ihrer Öffnung auf das Andere bewußt wird und ein Sprechen als Versprechen einer kommenden Sprache beinhaltet. In diesem Sinne konfrontiert er auch die Aufklärungsidee eines Weltbürgertums mit den radikalen Konsequenzen eines unbedingten Gastrechtes, wie es sich an konkreten politischen Projekten wie dem der “Zuflucht-Städte” für verfolgte Schriftsteller zu beweisen hat.

 

Derridas Überlegungen zur sprachlichen Kulturidentität, zum Staats- und Weltbürgertum sowie zum Verhältnis von Asylrecht und Gastfreundschaft sind ein wichtiger Beitrag gerade zu der in Deutschland aktuellen Diskussion um eine s. g. “Leitkultur”.

(Text: Verlaginfo)

Zum Verlag / Titelbeschreibung